der surfgelehrte
Von Paul Solotaroff, aus dem Englischen von Cira Riedel – Fotos: © Cole Barash & Tom Carey
Steck den Jungen ins Wasser und Clay Marzo wird magisch : ein Junge mit so viel Grazie und Mut, dass du erstaunt auflachen musst, wenn du ihn surfen siehst. Er reitet die Wellen nicht wirklich, er fliegt sie viel eher, behandelt den Pazifik wie seine persönliche Vert Ramp, explodiert in den Swells auf seinem sechs Fuss Super surfboard, um über dem Schaum dahin zu gleiten, und das verkehrt rum.
Er geht jeden Tag sechs bis acht Stunden ins Wasser, ob bei Regen oder Ebbe, und gibt dem Sport alles von seiner Kreativität ohne Grenzen, der diese Reform dringend gebrauchen kann. Er macht Surfen zu einem Mix zwischen X-Games und Big Air Stunt Work in einem maritimen Salon… nenn es, wie du willst, es ist wahrhaftig ein Anblick. Du erwischt dich dabei, wie du wiederholt vor dich hin murmelst : Sorry, aber Menschen können das nicht – und er hat es gerade den ganzen Morgen lang getan.
Aber wenn du die Alltäglichkeiten aufzählst, bei denen Clay Schwierigkeiten hat, dann musst du feststellen, dass sie schnell die Anzahl an Dinge übersteigen, die er leicht findet. Zum Beispiel ist er unfähig, eine einfache Mahlzeit zu verspeisen, ohne davon die Hälfte auf seinem Hemdkragen oder auf dem Boden unter seinem Stuhl zu hinterlassen. Wenn er nicht im Wasser ist, ist er tollpatschig, bis hin zur Grenze zum Klamauk, er rennt gegen Türen, stolpert über Stufen, und als wir unser Lunch an einem Take-out-Fischstand in der Nähe von seinem geheimen Spot in Maui beenden, umklammert Marzo immer noch eine Portion von seinem Ahi Tuna po‘-boy. Das kann vielleicht sein, weil er ein bisschen gestoned ist – er steht auf und raucht einen Joint, bevor er Surfen geht – aber es ist auch, weil er eine ursprüngliche Kreatur ist, mit nur einem Ziel : Freude. Ich schaue ihn mir an, die Hände über dem Bauch gefaltet, mit einem verschlafenen, glückseligen Lächeln auf seinem Gesicht. Es ist das Lächeln eines kleinen Jungen, der gerade seinen Kuchen verspeist hat, aber Marzo ist zwanzig und du hast oft das Gefühl, dass du mit einem viel jüngeren Kind sprichst. Und das nur, wenn er mal was sagt, und das kommt nicht oft vor – oder jedenfalls nicht an Land. Hier wurde er oft mit unschönen Namen bedacht, Namen, die allen Kindern mit Problemen vorbehalten sind, wie Spasti, Depp, Nichtstuer, Zombie – auch wenn keiner von ihnen auf Clay zutrifft, haben sie tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen. In der Mittelschule wurde Marzo so gehänselt, dass seine Mutter ihn aus der Klasse nehmen und von zuhause aus unterrichten musste, wo er nicht dafür gehauen wurde, Möchtegern-Rowdies anzustarren.
Das ist auch noch etwas, das Clay nicht kann : er erkennt kein Mienenspiel, oder andere Signale der Körpersprache, sowie auch Ironie oder die wortlosen Regeln, die wir in unserer frühen Jugend lernen, sind ihm ein Rätsel. Er plappert einfach irgendwas, singt vor sich hin und reisst sich büschelweise Haare raus. Clay hat das Asperger Syndrom, eine Form von hochfunktionellem Autismus, der ohne Ende soziale Konfusion und Pein beschert und oft mit einer einzigen Obsession einhergeht : wie Vogellieder, Zuglinien oder die Geschichte von maritimer Kriegsführun. Wie bei vielen erwachsenen Aspies, wie sich einige mit dieser Diagnose selber nennen, ist Clay ein erstaunlicher Mix von übermenschlichen Kräften und Defiziten. Er hat Schwierigkeiten, Wörter zu entziffern (er hat nicht eine der dutzenden von Stories gelesen die über ihn in den Surfmags erschienen sind) aber er ist brillant, ja sogar hellsichtig im Wasser, er kann Wellenmuster entschlüsseln, die anderen verborgen bleiben und kann vorhersagen, wo sie brechen, bevor der Kamm einer Welle auch nur auftaucht. Ihm ist eine Woche bevor er wegreisen muss übel, aber er steht jeden Tag auf, um unter den heikelsten Bedingungen westlich von Waimea zu Surfen : schwarzfelsige point Breaks, durchsetzt mit scharfkantigen Brocken und einem Meeresboden voller speerspitzenartigen Korallen, die seine Brust in Fetzen reissen könnten. Sein Körper ist ein Logbuch von Narben und Striemen, aber es langweilt ihn, über seine Begegnungen mit der Lebensgefahr zu sprechen, darüber, wie es ist, von gigantischem Swell unter Wasser gehalten zu werden. Als er beim Lunch von mir gefragt wird, ob er schon mal Angst hatte zu Surfen, wischt er sich Mayonnaise mit dem Handgelenk von der Backe und antwortet : „Einmal, da waren ein paar Haie hinter mir her. Sie waren ziemlich gross. Also hab ich mich schnell verzogen.“
Nach dem Essen gehen wir zu der unordentlichen Wohnung von Clays Filmer Adam Klevin. Klevin ist ein muskulöser glatzköpfiger Mann, der seit 5 Jahren jeden Morgen zu Sonnenaufgang aufsteht, um jede von Marzo’s Wellen auf Film zu brennen, und dann für die verschiedenen Formate, wie Web und DVD’s zu verkaufen. Er zeigt uns ein Hinterzimmer, das er zum Filmschnitt benutzt. Auf einem der Flachbildschirme sieht man Clay, wie er ein Monster reitet, einen 4 Meter Swell, ein Ausläufer von einem Sturm, der einige 12 Meter Brecher in Oahu produziert und sich davon wie geschlagene Sahne in ein unüberschaubares Chaos verwandelt hat. Clay tanzt mit Chacha Turns auf dem Wellenface, die ihm die Dynamik für was Grösseres geben, als er den hinteren Teil seines Boards wild in einen 360° kickt, einen Move, den man throw-tail reverse nennt. Es gibt vielleicht 50 Menschen, die diesen Trick mit Erfolg beherrschen, aber nur sehr wenige sind stark genug, ihn in diesen Konditionen zu versuchen, und es gibt niemanden, der es wieder und wieder tun würde, nur für die pure Freude, die Giganten herauszufordern, bei der einem das Herz stehen bleibt. Er ist kaum wieder aufrecht, als er aus dem Spin rauskommt, da attackiert dieser Junge schon die nächste immense Sektion der Welle, sein Mund formt ein perfektes O der Begeisterung. Ein front-side spin folgt auf einen smash-cut left, und dieser hebt ihn völlig aus dem Wasser, seine Arme und Beine sind ungestüm in die entgegengesetzten Richtungen gestreckt. Das kann er nicht schaffen – sein hinteres Ende des Brettes ist verschwunden und Gott alleine weiss, nach was er über seiner Schulter Ausschau hält, als er die rail von seinem Board fasst und einfach an seinem Leben festhält, wie an einem seidenen Faden. Die Welle kollabiert auf dem schroffen Untergrund, und bläst einen Schwall von weiss bekapptem Sprühregen vor sich hin, vom Jungen und seinem Board ist keine Spur. Für einen Moment ist da nichts ausser dem Chaos von Schaum und die unglaublichen Kräfte, die in alle fünf Richtungen zerren. Dann lichtet sich das Durcheinander und da ist er, halb auf und halb nicht mehr auf seinem Board, aber immer noch unter Kontrolle. Das ist nicht Surfen, das ist Zauberei, und der Junge ist so lebendig, dass er diesen Sport aussehen lässt, wie die einzig wahre Religion der Welt.
Aber wenn ich es ihm sage, dann hört Clay gar nicht zu, er steht völlig abwesend vor mir, mit hängendem Kopf und einem nach innen gerichteten Blick. Er hat alles, was er braucht, um der Shaun White dieses Sportes zu sein – das Gesicht, den Körper, die Fähigkeit, diesem Spiel eine neue Dimension zu verleihen – und die Chance, für Millionen von Kindern mit neuralen Beschwerden in diesem Land ein Held, ein Symbol zu sein. Aber Berühmtsein ist das L netzte, was Clay möchte, er lässt sich lieber von einer gigantischen Welle zusammenstauchen, als Vorträge über seinen Zustand zu halten, der sein Zuhause entzweit und seine Eltern und Geschwister polarisiert hat. Nein, er wäre am liebsten alleine. Er paddelt am liebsten noch mal raus, durch das Weisswasser und die tödlichen Feldbrocken, dahin, wo die ganz grossen Wellen brechen. Das ist der einzige Platz auf Erden, an dem er sich sicher fühlt.
„Kelly Slater, Sunny Garcia, Andy und Bruce Irons – sie haben es geschafft, ihren Style mit Hilfe von Videos und Photostrecken zu einem globalen Phänomen zu machen.“ sagt Matt Warshaw, Autor von der Encyclopedia of Surfing und einstmals Editor vom Surfing Magazine. „Aber die Kids, die mit diesen hi-fi Moves im Kopf zur Schule gingen, diese nächste Generation legt noch einen drauf. Sie sind schneller und wollen immer grössere Sachen machen, sie setzen auf Stunt Show Manöver in ihren Junior Wettkämpfen.“ Und Teil dieses Kontingentes war eine Brut von aussergewöhnlich talentierten Jungs aus Maui. Sie wuchsen alle im Radius einer halben Stunde Autofahrt voneinander auf, in der Nähe des kleinen Städtchens Lahaina, sie schlugen sich gemeinsam durch die Pippi-Ränke der Junioren-Wettkämpfe und reisten als erweiterte Familie. Dusty Payne, Kai Barger, Granger Larsen und andere dominierten die lokale Szene und begannen mit acht, neun Jahren schon aufs Festland zu fliegen und im nationalen Wettkampfzirkus herauszustechen. Payne war der erste von ihnen, der eine Pro-Karte bekam und der ASP Tour beitreten konnte, nachdem er die World Junior‘s in ‘08 gewonnen hatte. Barger und Larsen sind direkt hinter ihm und alle drei sollten, nach Warshaw, sichere Werte auf der Top-Verdienstliste für die nächste Dekade sein.
Doch der Beste unter ihnen, schon als Kind, war Marzo, mit Abstand. „Als er in Trestles [für das ‚national schoolboy championship’] auftauchte und im Alter von 15 Jahren eine perfekte 10 nach der anderen hinlegte, erklärten ihn die Medien als die nächste grosse Ikone und den besten Teenager seit Slater,“ sagt Warshaw. „Andere Kinder konnten auch ein paar Manöver, die er konnte, aber nicht mit der gleichen Kraft und seiner natürlichen Begabung, aus brenzligen Situationen herauszukommen. Ein paar Jahre brillierte er konstant, aber dann geschah etwas mit ihm – lag es am Druck so viel zu Reisen, oder, nun keiner wusste es damals so recht.“

Clay inklusive. Schon seit seiner Geburt hatte er das seltene Talent, Erwartungen durcheinander zu bringen. Er wurde in San Diego geboren, in eine Surffamilie. Mit neun Monaten zogen sie nach Maui um, in ein kleines Dorf, ein Paar Schritte vom Ozean entfernt. “Clay konnte paddeln bevor er laufen konnte, und das konnte er mit siebeneinhalb Monaten,“ sagt Jill Marzo, seine Mutter, Buchhalterin und erste Archivistin. (Sie filmte jede Welle, die ihr mittlerer Sohn im Alter zwischen fünf und fünfzehn genommen hat) “Mit drei Monaten schwamm er schon mit seinem Kopf Unterwasser und mit Eins sass er bei seinem Vater vorne auf dem Surfboard, um die Wellen bis an den Strand zu reiten.“ Beide Eltern sind gute, wenn auch durchschnittliche Athleten. Jill, eine Massagetherapeutin, war als Mädchen eine Turnerin ; Gene, ein Bauarbeiter, spielte Baseball im College – sie organisierten ihr Leben um das Ernähren von nicht nur einem, sondern zwei Surf Schützlingen herum. Clay’s Halbbruder Cheyne, der sechs Jahre älter ist, wurde mit 13 Jahren von Sponsoren unter Vertrag genommen und Clay studierte jeden seiner Moves vom Ufer aus und ahmte ihn nach. „Clay liebt Cheyne und wollte eines Tages sein wie er, bis hin zu den Stickern auf seinem Board,“ sagt Jill. „Und das war beidseitig : Cheyne schleifte ihn zu seinen Sponsoren und trumpfte auf : wartet nur, bis ihr meinen jüngeren Bruder surfen seht.“
Clay nahm an seinem ersten Wettkampf mit 5 Jahren teil, und bekam eine Trophäe für den 6 Platz. Von da an wollte er nichts anderes, als jede Stunde Tageslicht im Wasser zu verbringen. Mit sieben war er Teil der lokalen vielversprechenden Schützlinge mit Barger, Payne und Larsen, die entweder alle bei dem einen oder anderen übernachteten, mit ihren Familien picknickten oder auf Ausflüge gingen. In Jill’s Jeep sassen immer ein halbes Dutzend rülpsende und furzende Jungs auf der Rückbank, für die 20 Meilen zu den Breaks am North Shore. „Das war eine magische Zeit für Clay, die besten Jahre seines Lebens,“ sagt sie „sie waren so lieb mit ihm, haben ihn behandelt wie einen Bruder, auch wenn sie sehen konnten, dass er anders war als sie.“
Aber Clay‘s Verhalten wurde zu einem ständigen Problem und zur Quelle von Streitigkeiten zwischen seiner Mutter und seinem Vater. Jill hatten seine Ticks schon immer nervös gemacht, welche sie seit seinem 3ten Lebensjahr beobachtet hat. „Er machte immer diese Gesichter, und konnte nicht damit aufhören. Er summte und schaukelte und zog an seinen Haaren und war immer so intensiv und nervös wenn er nicht im Wasser war.“ Als Sammler von Muscheln und Baseballkarten, spielte er völlig verrückt, wenn jemand sie anfasste und beruhigte sich nur indem er Szenen aus Filmen nachsprach, die er auswendig gelernt hatte. Er konnte nur die weichsten Stoffe ertragen, Geräusche und starke Lichter brachten ihn schnell aus dem Konzept, und jahrelang erlaubte er niemandem ausser Jill ihn zu umarmen und entzog sich jedem anderen. Aber Gene, ein dickköpfiger, altmodischer Italiener, schenkte diesen Verdrehtheiten keine Beachtung und hörte Jill auch nicht zu, wenn sie ihn darauf hinwies. „Er erzählte nie was von sich, liess auch keinen an sich ran oder in sich rein, aber ich dachte, so wäre er einfach, unser Clay“, sagt er. „Er war immer ein grossartiger Athlet, ob es nun Surfen oder Schwimmen war, er liebte es auf die verschiedenen Contests zu fahren und mit mir rumzuhängen und Spass zu haben. Und wenn er irgendwas haben sollte, dachte ich, dass sich das schon auswachsen würde. Und er vielleicht irgendwann lernen würde, einem in die Augen zu sehen.“
In der Grundschule wurde Clay mit ADD (Attention Deficit Disorder, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert und einer spezielle Hilfe zugewiesen. Das brachte die Eltern ein bisschen weiter auseinander : Jill war tief beunruhigt und versuchte es mit Ritalin. Aber das Medikament verschärfte seine Stimmungen und Anfälle und machte ihn zu einem „strampelnden, schreienden Monster,“ wie sie sagt. Gene hatte nichts Besseres zu tun, als sich darüber lustig zu machen und Clay damit aufzuziehen. „Er brauchte keine Medikamente um endlich in der Schule aufzupassen und aufzuhören, Wellen in sein Heft zu malen.“ Zu dem Zeitpunkt nahm Clays Obsession mit allem was mit Surfen zu tun hatte seinen ganzen Lebensraum und Alltag ein. Egal um welche Aufgabe es sich handelte, jede Arbeit die er schreiben sollte hatte was mit Surfen zu tun. Abends schaute er sich die Videoaufnahmen an, die Jill gefilmt hatte und studierte jede seiner Bewegungen, Bildrahmen für Bildrahmen. Dann ging er ins Bett und surfte im Schlaf weiter : sie fand ihn oft, wild um sich schlagend und wie er sich im Bett herumschmiss und rief : „Runter von meiner Welle !“ „Und man weckte ihn besser nicht aus einem dieser Träume auf, denn er konnte sehr aggressiv sein in diesem Zustand,“ erinnert sie sich.
Während Clays Schularbeiten litten (Jill schickte ihn auf eine private Grundschule, dann wieder auf die öffentliche, als er dort zu sehr gehänselt wurde), blühte sein Surfen bei den Schoolboys Wettkämpfen so richtig auf. Er flog als zehnjähriger viele Stunden nach Florida und San Diego und schlug routine-mässig die Besten 13 Jährigen (und jünger) in den National Scholastic Surfing Association Contest. Wenn du von Hawaii kommst und Kreise um die anderen Kinder surfen kannst, dann erscheinst du früher oder später auf dem Radar von Boardshort Herstellern und Energiedrink Fabrikanten. „Ich habe Clay das erste mal gesehen als er 10 war und habe ihm sofort einen Vertrag angeboten“ sagt John Oda, Surf Manager von SpyOptics Eyewear. „Er hatte so viel Schnelligkeit, nahm solche enormen Risiken in Kauf, dass ich schon damals wusste, dass er mal ein Star sein würde.“ In der Mittelschule hatte Clay kleine Deals mit Quiksilver und Local Motion und gewann so viele Trophäen an Juniorwettkämpfen, dass seine Eltern sie auf dem Dachboden lagern mussten. Gene fand einen Coach für ihn, chauffierte ihn zu den Treffen, kümmerte sich um seine Ausrüstung und seine Sponsorenverträge, und stellte sicher, dass sie auch auf seinen Boards zu sehen waren. (Clay hatte die Angewohnheit, die Sticker von seinen Brettern zu nehmen ; er dachte, sie würden ihn in der Welle bremsen.)
Mit 14, einige Monate vor seinem grössten Triumph, den Titel der Männer bei den Open NSSA Finals, schickte Clay ein dreiminütiges Tape von sich an Strider Wasilewski von Quiksilver. Der damalige Team Manager von einigen der Weltbesten wie Slater, Dane Reynolds und Jeremy Flores, staunte über den selbstgemachten Clip mit aufgerissenem Mund. „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so mit der Welle verschmolzen ist,” sagt Wasilewski. „seine Mechanismen und sein Flow waren vergleichbar mit denen von Slater, aber Slater zwischen 20 und 30, und nicht als Teenager. Ich dachte, mein Gott, die Welt muss das zu sehen kriegen, so buchte ich ihn auf den ‘Young Guns 2’ Trip.”
Die „Young Guns“ Serie von DVDs ist ein bahnbrechendes Marketing Tool, das die zukünftigen Stars von Quiksilver in exotischen Landschaften zum Besten gibt. Marzo ging auf den Mentawai Inseln an Board der grossen Luxusjacht, mit Göttern wie Slater und Reynolds als Aufpasser, und einer Film Crew, die diese handverlesenen Hoffnungsträger auf Zelluloid brennen würde. Clay kratzte am Glanz von Phänomenen wie Ry Craike und Julian Wilson und erstaunte seine Kollegen und die Besatzung mit seinen Manövern, die an fliegende Fische erinnerten. Er surfte Barrels mit so viel Kontrolle, dass er sein Tempo selber verlangsamte, um seinen Ride zu verlängern. Für Slater, den neunfachen ASP Champion und wohl der beste Surfer, der jemals gelebt hat, war es wie ein Clapton-meets-Hendrix Moment, die Freude an einem neu entdecktem Genie. „Da war dieser Junge, von dem ich noch nie was gehört hatte, und er haute uns einfach um. „Er machte riesige Manöver, die nicht mal ich hinkriege und nahm jede Welle als wäre es seine Letzte. Ich fühlte mich ihm unterlegen und sagte es ihm auch. Er konnte Dinge, die ich nicht beherrschte.“
Das Video, das dabei entstand, wurde 1 Million Mal auf den Covers von Surfmags verteilt und stellte Clay somit einem grossen Publikum von 10-12 Jährigen vor. Schnell erschien er in allen möglichen Titeln, unterzeichnete bahnbrechende Deals mit Quiksilver und anderen, die ihm 6-stellige Summen zahlten, nur um zu surfen. Er wurde von Groupies verfolgt, wo immer er hinging und zum Sexsymbol bevor er seine erste Freundin hatte. „Wenn ich mit ihm ganz entspannt am Strand war, einfach nur um zu surfen, dann stürmten plötzlich all diese Kids auf ihn zu und jagten ihn durch die Gegend.“ Erzählt Klevin, Clay’s Filmer und Assistent, der mit ihm reist. „Das brachte ihn total durcheinander und immer im Fokus von so vielen Fremden zu stehen machte alles sehr viel anstrengender.“ „Als Kind träumte er davon mit seinen Helden wie Kelly und Dane auf Trips zu gehen“ sagt Gene. „Und plötzlich war er jede Woche mit ihnen unterwegs. An einem Tag Tahiti, am nächsten Australien, aber des ganzen Rumreisens wurde er ziemlich schnell überdrüssig.“ Um grosszügigen Sponsoren gerecht zu werden, lebt ein Top Surfer aus einer Reisetasche, immer unterwegs zu den entlegendsten Ständen der Welt, für ein vier Tage „Surfabenteuer“. Dort wird er dann geknipst und gefilmt, wie ein Produkt, für Fotostrecken, Web Clips, DVD’s um die ganze Zeit schlagfertige Kommentare von den „radikalen Reefs in Malaisen“ von sich zu geben. Ausserdem wird von ihm erwartet, dass er auf dem Junior Pro Zirkus Punkte sammelt, zu Wettkämpfen von Europa bis Asien fliegt und das in den verbleibenden Wochen, in denen er keine „Vergnügungsreisen“ macht. Zu guter Letzt sind da dann noch die Stammshows, Promo-touren und Media-events, eine zähneknirschende Brandbreite von sich drängelnden Kameras und eine Attacke auf alle Sinne. Das alles hat Clay so fertig gemacht, dass er sich völlig zurückzog, sich hinter seinen Kopfhörern versteckte, und die Musik auf volle Lautstärke aufdrehte. Ein stiller Junge, der für sich blieb. Sein Surfen zerfiel auf der Contest Tour, er gab plötzliche Wehwehchen vor um sich Reiseverpflichtungen zu entziehen oder kam nicht aus seinem Bett, wenn es Zeit war, seinen Contest Heat zu surfen. „Jeder sprach über diesen verrückten Jungen,“ erzählt uns Jamie Tierney, ein wichtiger Mitarbeiter von Quiksilver, der sich mit Clay 2006 angefreundet hatte. „Er verlor seinen Geldbeutel und Mobiltelefon, vergass tagelang sich zu duschen und legte sich einfach auf den Boden nach dem Essen und rappte, mit seinem iPod in den Ohren vor sich hin. Man fragte sich, ist der wirklich so gestoned, oder einfach nicht ganz richtig im Kopf? Es war nicht der beste Auftritt, um es kurz zu fassen.“
Viele Sponsoren liessen ihn wegen seines unmöglichen Verhaltens fallen und Clay kam einmal sehr dicht dran, auch Quiksilver zu verlieren, sein grössten Versorger, als er einmal während einer Fashion Show für eine neue Kollektion seines Sponsors befragt wurde, wie sich denn die Boardshorts anfühlen, sagte er : „Sie sind zu eng. Und glitzern zu sehr. Ich hasse sie. Halt, ich glaube ich sollte sie gerne haben.“
…Die Fortsetzung dieses Artikel folgt im 7sky vom November. Viel Spass beim Weiterlesen !









