„Skifahren ist mein Yoga.“
Text Sandra Wicky – Foto Prescott McCarthy
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„Im August 2009 hatte ich eine Phase intensiven Meditierens; ich experimentierte damals häufiger mit Visionen und innerer Ruhe. Eines Nachts habe ich das weisse Licht erlebt. Mein ganzer Körper war durchströmt von Bewusstsein. Ich begann, das Geräusch der Pflanzen, der Erde, der Sterne und der Tiere wahrzunehmen. Ich führte die Suche nach der Vision fort – das beschreibt wahrscheinlich am besten, was ich tat – und nach 23 Tagen waren für mich Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart eins.“
Im Alter von 33 Jahren bezaubert der Amerikaner und Teilnehmer des Swatch Skiers Cup in Chile die Menschen in seiner Umgebung mit seiner strahlenden Persönlichkeit und blossen Anwesenheit. Er vermittelt Leidenschaft und Optimismus und macht jedem, den er trifft, die Magie des Lebens- und die unendlich vielen schönen und starken Momente bewusst.

Oakley, wie bist du zum Swatch Skiers Cup gekommen?
Mein Freund Mark Abma (der Kapitän des amerikanischen Teams) hat mich eingeladen. Zwei Monate zuvor hatte ich mich wieder darauf konzentriert, weiterhin vom Skifahren zu leben und bat das Universum, mir dafür die Gelegenheit zu geben. Es war für mich etwas sehr Besonderes, zum ersten Mal in den Anden Ski zu fahren und mich mit diesen Bergen verbunden zu fühlen. Ich denke, dass mich dies nicht nur gereizt hat, weil ich mich als Sportler promoten wollte. Es war für mich gleichzeitig auch eine Chance, diesem Ort meine Hilfe entgegenzubringen, der gerade dabei ist, an Energie zu gewinnen und sich einzupendeln.

Und wie kannst du dabei helfen?
Ich gebe Leuten energetische Behandlungen – mit Hilfe von Tönen, Berührungen, meiner Gegenwart oder meiner Lebensgeschichte, die ich manchmal erzähle. Ich arbeite viel mit der Erdung von sehr spirituellen Menschen. Beim Skifahren behandle ich die Orte. Ich spüre, dass der Planet Energiepunkte hat wie der Mensch. Wenn ich an neuen Orten Ski fahre, lasse ich mich von meiner Intuition zu Stellen leiten, die etwas brauchen, was wahrscheinlich der Akupressur am nächsten kommt. Ich vollziehe Sprünge und setze so beim Skifahren die richtigen Punkte. Manchmal nenne ich das „Skiomantie“, abgeleitet von Geomantie.
Doch normalerweise rede ich nicht darüber, denn zwischen der Erde und mir stellt sich eine intime Verbindung her. Je mehr Worte ich benutze, um Meditation, unterschiedliche mystische Bewusstseinszustände und deren Vernetzung mit dem Leben zu beschreiben, desto mehr entferne ich mich davon.
Deshalb ist Skifahren auch so schön; man spricht nicht, wenn man Ski fährt. Man spielt bloss mit der Erdanziehung, der Kälte, dem Schnee… Geleitet von einer verborgenen Geometrie Ski zu laufen, darüber hinweg zu fliegen, hat etwas sehr Besonderes an sich.

Kannst du auch deine eigenen Verletzungen heilen?
Ja, jede einzelne meiner Verletzungen habe ich dank meiner Atmung heilen können. Ich habe mir Knochen gebrochen, Bänder gerissen und ich bin ohne Operation genesen, dank meiner Atemtechnik und Pflanzen, die ich intuitiv ausgewählt habe.

Erzähle uns von der Atmung.
Das einzige Mantra, das mir mein Yogalehrer auf den Weg gab, war „einatmen“ und „ausatmen“. Für mich ist das die wichtigste und die einzige Message, die ich rüberbringen möchte: Atmung ist die einzige Wahrheit, die ich kenne. Skifahren ist jetzt wie Yoga für mich, denn es holt mich ins Hier und Jetzt zurück – wie bei einer Atemtechnik oder beim Meditieren.
Extremskifahren birgt Gefahren. Sobald du deine Energie damit verschwendest, darüber nachzudenken, was du tun wirst, oder was du gerade getan hast, stürzt du. Aber wenn du deine Aufmerksamkeit darauf konzentrierst, was du gerade im Augenblick tust, auf die Kurve, den Sprung, dann wirst du es schaffen. Es ist eine Art, im Hier und Jetzt zu sein.

Kennst du andere Skifahrer mit einem solchen Bewusstseinszustand?
Ja, ich denke, dass Skifahrer genauso wie Surfer, Künstler, Tänzer, Fotografen, Yogis und viele andere sich auf diese Verbindung stützen bzw. es schaffen, dass sich in ihnen die Magie der Welt ausdrückt.
Skifahren ist auch ein Beispiel dafür, dass Menschen, die sich von ihrem Körper oder ihrem Leben eingeschränkt fühlen, physische Grenzen überschreiten können. Es ist tatsächlich möglich, schwindelerregende Höhen zu erreichen und zu landen, ohne sich etwas zu brechen.

Welchen Weg hast du nach deinem Erwachen im August 2009 eingeschlagen?
Ich habe danach das Universum darum gebeten, dass der Skisport mir einen sicheren Platz bietet, um meine neue Lebensform auszuüben. Während ich auf eine Antwort wartete, schlug mir Sage Katebricalos, ein sehr bekannter Skifahrer, vor, mit ihm zu leben, ohne mich auch nur zu kennen. Das hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert
und mich darin bestärkt, dass das Universum mir zuhört und das Skifahren der richtige Ort für meine Berufung ist.

Wie verdienst du deinen Lebensunterhalt?
Ich mache unterschiedliche Jobs. Die meiste Zeit arbeite ich mit meinen Händen, ob auf dem Bau, auf dem Bauernhof oder bei irgendeiner anderen Arbeit.
Im Winter arbeite ich an der Personalisierung von Skischuhen. Oft führen traditionelle Skischuhe zu einer Fehlstellung des Körpers, bei der das gesamte Gewicht auf den Zehen lastet. Die Umrüstungen sorgen dafür, dass das Gewicht gleichmässig zwischen Ferse und Zehen verteilt ist.

Erzähl uns von Panda Poles, deinem Unternehmen für Bambus-Skistöcke.
Panda Poles wurde von meinem Partner Tanner Rosenthal gegründet. Wir sind beide leidenschaftliche Verfechter von nachhaltiger Entwicklung und haben über unterschiedliche Lösungsansätze nachgedacht. Die Stöcke werden aus Bambus hergestellt, sind somit zu 100% biologisch abbaubar, widerstandsfähiger als Aluminium und biegsamer als Grafit (Verhältnis Widerstand/Gewicht).
Panda Poles widersetzt sich dem Common Sense zu glauben, dass menschlich hergestellte Kunstfasern das Allerbeste seien. Es ist auch ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, Träume in die Tat umzusetzen. (www.pandapoles.com)

Wo werden sie hergestellt?
Wir stellen sie in der Garage von meinem Freund her, aber in diesem Winter wollen wir einen neuen Ort schaffen, den Sportler als Ausgangspunkt zum Skifahren nutzen können, und um sich auszuruhen. Es wird auch einen Meditations- und Wellnessraum geben. Dieses Zentrum wird in Salt Lake City aufmachen – ein für mich magischer Ort. So wie Utah im Allgemeinen ein magischer Ort ist.

Wer sind deine Sponsoren?
Von 2000 bis 2005 hatte ich fürs Park Riding Sponsoren, wodurch ich vom Skifahren leben konnte. Da ich mich danach auf den Big Mountain konzentrierte, war ich für Sponsoren nicht mehr interessant. Trotz allem fuhr ich weiterhin Ski, und das leidenschaftlicher denn je, da der Leistungsdruck weg war. Ich machte sogar noch grössere Fortschritte, denn ich fuhr nur noch für mich. Seitdem ist es keine Arbeit mehr, sondern nur noch eine Leidenschaft.

Würdest du gern wieder Contests fahren und Sponsoren angeln?
Ja, denn ich denke, dass ich dazu bereit bin und dass ich einem Sponsor viel bringen würde, was Skifahren, Contests und manche andere Dinge angeht.

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