Tamara Prader
Text Corinne Tâche-Berther – Foto Patrick Switzer

Besonders das Downhill-Skateboarden hat nach wie vor den Ruf, laut und rebellisch zu sein. Mag es daran liegen, dass wir uns im Strassenverkehr bewegen (obwohl es auf Schweizer Strassen teilweise legal ist) oder daran, dass man in Lederkombi und Fullface-Helm aggressiv und gefährlich aussieht. Ich glaube, ich rede für eine Mehrheit der Fahrer, wenn ich sage, dass wir ebenso viel oder wenig Adrenalinjunkies sind wie beispielsweise Snowboarder, und dass es eine grosse Stille im Downhill Skateboarding gibt.
Was oft übersehen und überhört wird, sind die stillen Momente. Die Stille während dem Fahren einer Abfahrt, wenn man nur das leise Rauschen der Urethan-Wheels hört. Die volle Konzentration, den Blick konstant auf der Strasse, den Belag lesend. Die Momente der Qualifying Runs, wo man für uns und zwei Abfahrten lang die Strassen sperrt, wo wir ganz alleine unterwegs sind. Man kann die Linien genau so fahren, wie man möchte, niemand und nichts ist da, das einen ablenkt. Die grösste Stille geschieht im Tuck (die Hocke), wenn man den Moment der höchsten Beschleunigung hinter sich lässt, das Tempo bis zur nächsten Kurve hält und alles um einem herum wegfällt. Dann ist der höchste Punkt der Konzentration und der völligen Ruhe erreicht.
Was macht denn die Faszination dieses Sportes aus ?
Das Gefühl von Freiheit, das Tempo, in der Natur sein… Die Liste ist lang ! Die Spannung und das intuitive Bewegungslernen mit Abenteuer, Spass und Reisen zu verbinden. Die Gefahr des Stürzens mit Stil und Leichtigkeit zu ersetzen, das ist das Ziel. Wir suchen die besten Strassen und fahren sie dann, sooft es Spass macht. Die Schweiz bietet ein nahezu unerschöpfliches Angebot, das es noch zu entdecken gibt.
Du als Frau und Wettkämpferin wagst dich in die autobesetzten Städte und auf die Pässe… Ist das nicht meeega gefährlich ?
Ich beabsichtige, ein langes, gesundes Leben zu führen. Für super gefährlich ist da kein Platz. Mir sind aber schmale und steile Bergsträsslein auch lieber als die autobesetzten Städte ! Ich weiss, wann der Weg frei ist und bin schneller mit dem Skateboard. Ich bin aber kein grosser Fan von Fussgängerslalom und benutze daher gerne die öffentlichen Verkehrsmittel.
Ist die Angst eher eine Motivation oder eine Bremse ?
Wenn ich Angst habe, fahre ich nicht. Wenn der Bauch nein sagt, nehme ich meine Kamera hervor oder lege mich an die Sonne. Man sollte eher von Respekt reden. Und diesen darf man nicht verlieren. Aber er ist ganz klar Antrieb und Motivation ! Natürlich hat man manchmal ein mulmiges Gefühl. Eine Freeride-Strecke, die besonders schmal und steil ist, Gegner, die man schlagen möchte und man weiss, dass es eng wird, eine Strecke, die besonders technisch oder besonders schnell ist, ein Slide, den man unbedingt verbessern will… Es gibt unzählige Dinge, die Überwindung kosten. In solchen Momenten ist der Respekt davor der treibende Motor ! Der Antrieb, etwas Neues zu lernen, sich zu verbessern oder etwas zu erreichen !
Würdest du manchmal gerne ein Mann sein ?
Nein ! Das heisst doch !… Den Reissverschluss zum peen aufmachen ist bequemer, als sich aus dem Leder schälen und dann beim Ungesehenbleibenwollen das Risiko eingehen zu müssen, sich in die Brennnesseln zu setzen… Wir leben in einer Zeit und in einem Land, in dem wir uns wehren dürfen, wenn wir das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden. Wahrscheinlich ist es ebenso toll, ein Mann zu sein. Aber ich weiss eben nur um die Vorteile der einen Seite. Und das ist auch gut so.
Wie gross siehst du das Longboard-Potential in der Schweiz ?
Wenn man sich den Ausbaustandard von Schweizer Strassen anschaut, die Topographie dazu nimmt und die Tatsache, dass viele Weiler mit Seilbahnen erschlossen sind, die perfekt in das Konzept des Runterskatens und Hochfahrens passen, würde ich behaupten, die Schweiz ist der Longboarding-Himmel !
Was bietet Longboarden ?
Ganz furchtbar viel Spass !
Wenn man sich fürs Longboarden interessiert, wo findet man die Info ?
Am Besten im Rollladen, dem Longboardshop in Zürich. Ansonsten empfehle ich einen Blick in den Loaded Ambassadors Youtube-Channel mit super Videos und haufenweise Trick-Tips. Die Ladies können sich an die Longboard Girls Crew halten, eine schnell wachsende Gruppe von Longboarderinnen, die sich mittlerweile weltweit vernetzt haben und Infos und News rege mitteilen. Ausserdem haben wir vor, mit dem Rollladen-Team nächsten Frühling einige Workshops zu organisieren.








